mehrsprachig Aufwachsen

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Hilft ein Urlaub der Sprachentwicklung? – Teil 3

Urlaub Argentinien

Urlaub Argentinien - Iara mit ihrem Opa

Wie sich die ersten drei Wochen eines Urlaubs auf die Sprachentwicklung auswirken können, lest ihr in Teil 1 und Teil 2 dieser Serie.

Hier beschreibe ich euch das Ergebnis der letzten 4 Wochen des Urlaubs (Woche 4 bis 7), den unsere Tochter in Argentinien verbracht hat. Sie war nur noch von spanischen Muttersprachlern umgeben – meiner Frau, ihren Eltern und Geschwistern.

Auf dem Weg vom Flughafen nach Hause und in den ersten Stunden wird klar: sprachlich hat unsere Tochter ihre starke Sprache gewechselt. Sie spricht nur noch spanisch und das viel. Auch ‚Papa‘ betont sie nicht mehr deutsch, sondern spanisch mit einem Akzent auf dem zweiten ‚a‘.

Ich bin wieder dazu übergegangen auch deutsch mit ihr zu sprechen. Aber Iara spricht munter spanisch mit mir und verwendet auch spanische Wörter, die mir fremd sind. Es ist zwar ein komisches, aber wunderbares Gefühl. Ich sehe meine Tochter jetzt zum ersten mal mehr als Argentinierin denn als Deutsche. Und das alles wegen ihrer Sprache.

Amüsant ist es auch wenn sie auf spanisch schimpft (z.B. mit dem Hund), denn in Argentinien sind die Schimpfwörter oft ganz schön deftig. Woher sie wohl all die Wörter kennt? Na, einiges muss sie wohl im Spiel mit den anderen Kindern aufgeschnappt haben.

Klar ist schon jetzt, das die spanische Sprache in den kommenden Wochen und Monaten wieder schwächer wird. Es ist jetzt nicht mehr die Umgebungssprache. Deshalb werden wir uns bemühen sie möglichst viel mit Spanisch zu konfrontieren. Ich habe aber den Eindruck, das dies gerade jetzt direkt nach dem siebenwöchigen Urlaub besonders einfach ist, denn spanisch ist jetzt „ihre“ Sprache und für sie das normalste von der Welt.

Da meine Frau auch in diesem Urlaub wieder mehrere spanische Hörbücher, DVDs und Kinderbücher mitgebracht hat, können wir unserer Tochter all ihre „Medienwünsche“ auf spanisch erfüllen. Alle deutschen Bücher und Filme haben erstmal Auszeit.

Fazit: nach meinen jetzigen Erfahrungen ist kurzfristig gesehen nichts intensiver wie ein Urlaub.

Worauf man besonders achten sollte, damit alles klappt:

  • die zu fördernde Sprache muss Landessprache im Urlaubsland sein
  • das Kind darf nur wenig Kontakt mit anderen Deutschsprachlern haben
  • die Landessprache muss im Alltag des Kindes (in der Familie, im Spiel mit anderen Kindern, beim Einkaufen..) weit wichtiger als die deutsche Sprache sein
  • der Urlaub sollte zumindest 4 Wochen andauern

Hoppla. Dachte selbst, die Liste wird viel länger. Aber in diesen vier Punkten steckt alles Wichtige drin.

Wenn man den Urlaub so richtig floppen lassen will, tut man folgendes:

  • euer Kind soll sein Spanisch verbessern, aber ihr fährt nach England

Das Uninteressanteste am ganzen Urlaub ist für euer Kind eine Sprache, die sonst keiner benutzt.

  • man fährt mit mehreren anderen deutschen Kindern/Familien zusammen

Die Landessprache bleibt eine Fremdsprache. Eine Sprache „für die von da“.

  • nehmt deutsche Bücher, Hörbücher und Filme mit

Warum sollte sich euer Kind nicht von seiner Umgebung sprachlich abkapseln dürfen?

  • erwartet von einer Woche Urlaub ein kleines Sprachwunder

Kleine Kinder brauchen eine Anlaufzeit um ganz auf die Landessprache umzuschwenken und die deutsche Sprache wegzulassen. (Unsere Tochter mit etwas über 2 Jahren brauchte zwei Wochen).
Je öfter euer Kind solche „Sprachurlaube“ erlebt hat und je sicherer es im Umgang mit der anderen Sprache ist, desto schneller lernt es umzuschwenken.

Ich wünsche euch viel Spaß in eurem nächsten Urlaub, den ihr euch ausgesucht habt.

Lasst andere auch von euren Erfahrungen profitieren und nutzt die Kommentarfunktion. Was hat bei euch gut geklappt oder ist voll in die Hose gegangen?

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 27. Januar 2009 um 08:15 und abgelegt unter Erfahrungen. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

2 Kommentare über “Hilft ein Urlaub der Sprachentwicklung? – Teil 3”

  1. Britt schrieb:

    Hallo, vielen Dank für die Werbung für diesen Blog in unserem Mehrsprachigen-Forum und vielen Dank für Deine Mühe.
    Ich habe noch nicht alles gelesen, aber mir ist noch nicht ganz klar, weshalb Iara nicht zweisprachig aufwächst, bzw weshalb ihr Spanisch schlechter ist, als ihr Deutsch. Ich wohne im italienischen Sprachraum und alle meine 3 Kinder (die Grosse nun fast 7 Jahre, die Zwillinge bald 3 Jahre alt) sprechen etwas besser Deutsch, als Italienisch. Noch! Das ist mir klar, denn mit der Zeit, werden sie durch Schule und immer mehr Alltag ausserhalb des deutschen Hauses (mein Mann spricht schweizerdeutsch) sicher etwas besser italienisch sprechen. Doch im Moment noch ist das Deutsch vom Wortschatz und der Grammatik her gesehen, besser.
    Aber auch unseren Kindern tut jeder 2-wöchige Deutschlandaufenthalt gut, sie kommen mit einem ganzen Haufen neuer Wörter und Grammatikkonstruktionen wieder zurück. Gerne würde ich mehr als einen Monant in die Staaten gehen, um Englisch mehr einzubringen (wir haben es unterschwellig immer in Spiel und Spass laufen, also werfen Wörter ein, weil eine Patentante Amerikanerin ist). Aber das wird so schnell wohl nicht Realität werden.
    Euch weiterhin alles Gute mit Iara.
    LG britt

  2. admin schrieb:

    Hallo Britt,

    Iara wächst schon zweisprachig auf. Wäre ja auch ein Ding, wenn wir ihr diese Chance nehmen würden.

    Deutsch ist Iaras Umgebungssprache und auch ich spreche nur Deutsch mit ihr. Meine Frau spricht konsequent Spanisch und durch gegenseitige Besuche zu anderen spanischsprechenden Familien lernt Iara auch andere Muttersprachler kennen.

    Der 7-wöchige Argentinienaufenthalt war ein richtiger Turbo was Iaras spanische Sprachentwicklung betrifft. Liegt wohl auch daran, dass die Familie meiner Frau für deutsche Verhältnisse „sehr viel“ redet (für argentinische Verhältnisse ist es dagegen in deutschen Restaurants unglaublich leise 😉

    Der Punkt mit den 2 Wochen: Du hast bestimmt Recht, das ein Kind von 7 Jahren keine 2 Wochen mehr braucht, um sich sprachlich umzustellen. Unsere Kleine hat in den ersten beiden Wochen wenig gesprochen, erst danach gab es einen Schub. Ich bringe den Hinweis auf das Alter noch mit in meinen Artikel für spätere Leser.

    Danke,
    Rainer

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